Zur Hölle mit den Paukern, äh Profs...Teil 1: Mathematiker sind crazy...

In einem der ersten Posts habe ich ja beschrieben, wie ich Teil des Drehbuchs für den ersten Paukerfilm wurde.

Meine Erlebnisse mit Professoren sind teilweise auch so, dass man daraus durchaus ein entsprechendes Drehbuch für einen Kinofilm verfassen könnte.

Aber zuerst möchte ich an meinen Astronomie-Professor erinnern, der sich rührend um alle seine Diplomanden und Doktoranden kümmerte. Oft waren wir bei ihm zu Hause eingeladen, seine Frau bewirtete uns. Ein bescheidener und liebevoller, kompetenter Mensch.

Das prägt...aber damit kann man eher kein Drehbuch schreiben...

Nun aber zu den anderen...


Szene 1:

Ort: Hilbert-Raum im Matheinstitut

Bild: Uni Göttingen

Hier merkt man den einzigartigen Humor von Mathematikern. Einer der abstraktesten Räume, in denen sie denken und in dem die quantenmechanischen Zustandsvektoren "wohnen", ist nach Hilbert benannt.

Aber auch der kahle und langweile Vorraum des Mathehörsaals.


Es war Semesterbeginn. Bestimmt 150 Leute warteten auf die Mathevorlesung in Algebra. Neben mir stand ein noch sehr jugendlich aussehender Mensch. Ich betrieb Konversation...machte ich selten...warum ausgerechnet jetzt?

"Bin mal gespannt, wie der neue Prof ist..., auch so angestaubt wie die anderen?" bemerkte ich.

Seine Antwort: "keine Ahnung, warten wir es ab".

Die Tür zum Hörsaal wurde aufgeschlossen. Wir setzten uns.

Dann kam der Prof rein...es war der jugendlich aussehende "Student"...von eben...


Naja...ist erst die erste Szene...steigert sich noch...


Szene 2:

Ort: Mathehörsaal hinter dem Hilbertraum

Anfängervorlesung Mathematik

Prof liest vor, wirklich vor...aus dem Lehr-Buch seines Kollegen...Wort für Wort...und dabei schreibt er das gesamte Lehrbuch (seines Kollegen!) an die Tafel...

Szenenwechsel

Erste Vorlesung nach Weihnachten

Prof:" Ich habe in den Weihnachtsferien die Zeilen meiner Vorlesung durchnummeriert. Wir machen weiter bei Zeile 5627. Die früheren Zeilen können sie ja zu Hause durchnummerieren..."

Unglaubliches Staunen bei uns...

Dann kam der erste Beweis:

"Mit Hilfe von Zeile 97 erkennt man durch Einsetzen in Zeile 2547, dass man bis auf einen Korrekturfaktor Zeile 4367 erhält. Ersetzt man den Faktor durch den Term aus Zeile 367, so erhält man die Behauptung."

Ja, so macht Mathe Spaß!

Wir entschlossen uns das locker zu nehmen und warteten auf runde Zeilennummern oder Schnapszahlen.


Szene 3:

Ort: Wie oben, etwas später

Heute musste es passieren...Zeile 10 000 stand an! Wir hatten alle Sektflaschen dabei und mit dem Nennen der Zeile sollten 100 Korken durch den Hörsaal fliegen.

Prof: "Zeile 9999: das blah bla, murmel murmel...

Zeile 9999b: ergibt die Folgerung...

Zeile 10 001: blah blah blah..."

Mein Gott, was waren wir enttäuscht...


Szene 4:

Ort: Arbeitszimmer dieses Profs, extrem langer Schreibtisch, geschätzt 10 Meter...

Hochsommer, Außentemperatur 29°C, mindestens

Prof sitzt im dicken Wintermantel mit Schal und Wollmütze am Schreibtischende

Ich nehme am anderen Ende Platz.

Prof:" So, Sie wollen Vorexamen in Mathematik machen. Sie haben ja schon eine Matheprüfung im Vordiplom Physik absolviert. Dann müssen Sie sich noch 6 Minuten in Analysis III und 4 Minuten in Algebra prüfen lassen. Das schreibe ich in die Akte."


Szene 5:

Ort: Prüfungszimmer, einige Wochen später

Prüfer (ein anderer Prof): Guckt mehrmals verwundert in die Akte, guckt den Protokollanten an, tuschelt mit ihm, guckt mich an:

"Gut, jetzt kommt erstmal die vierminütige Prüfung in Algebra..."

Die erste Prüfungsminute vergeht, weil er seinen Lachkrampf unterdrücken muss...dann schafft er es, mir eine Frage zu stellen, ich antworte. Zeit ist vorbei.

Bestanden.


Es folgen noch zwei Posts zu diesem Thema.

Einmal erzähle ich die unglaubliche Geschichte meiner Vordiploms-Prüfung in Chemie, bei der mir der Herrgott beigestanden hat.

Und dann kommt eine Spukgeschichte...ein toter Prof unterschreibt meinen Seminarschein!


Also: Die nächsten beiden Posts werden himmlisch...