Von zweckentfremdeten Anhängerachsen und ängstlichen Förstern

Als ich vor wenigen Tagen einen Spaziergang am Herkules machte, kam ich in der Nähe der Gaststätte Elfbuchen an einer Abzweigung vorbei, die mir irgendwie bekannt vorkam...

Es ist lange her...Oktober 1972 also vor 49,5 Jahren!

Im März 1972 wurde der Astronomische Arbeitskreis Kassel AAK gegründet. Von Anfang an arbeitete ich in der Vereinsleitung mit und nach wenigen Jahren wurde ich bis heute Vorsitzender.

Wir waren damals jung, fast alle unter 20...und wir entschlossen uns einen Sternschnuppenausbruch des Kometen Giocobini-Zinner zu beobachten.

Wir bekamen eine Genehmigung, mit PKW und Anhänger unsere Ausrüstung bis an die besagte Stelle im Habichtswald zu fahren.

Wir wollten mehrere Nächte im Oktober durchbeobachten.

Ein Zelt sollte zum Kochen und zum Aufwärmen dienen, den Anhänger stellten wir weiter oberhalb am Rand des Feldweges ab, da dort noch Beobachtungsausrüstung drin lag.

Wir verteilten uns auf Liegen und Luftmatrazen (Isomatten gab es noch nicht) auf dem Feldweg und blickten an den Himmel.


Das war sogar der lokalen Zeitung einen Bericht wert...unser allererster Zeitungsbericht...viele tausend sind gefolgt...

Was war aber wirklich passiert?

Hier der Exklusivbericht...


Nichts passierte, jedenfalls am Himmel...ab und an kam mal eine Sternschnuppe.

Heute weiß ich, die Häufigkeitsangaben von Sternschnuppen beziehen sich auf den gesamten Himmel bei idealer Sicht und beziehen die sehr häufigen kaum wahrnehmbaren Erscheinungen mit ein.

Trotz allem habe ich später mit meinen Klassen auf Sylt oder auf dem Dörnberg immer Perseiden beobachtet. Noch Jahrzehnte später erzählen mir die ehemaligen Schüler/innen davon...Manche machen das jetzt mit ihren Kindern.


Aber zurück in den Oktober 72...uns wurde zunehmend langweilig...

"Meteor, Meteor, komm hervor" sangen etwa 12 Jugendliche laut...und manchmal hat es geholfen...

Plötzlich meinte H.M.(vorne im Bild): "Ich muss mal"...Ich:" Ja dann mach doch..." (ich war der zweitälteste, ich durfte das sagen...) Er: "Wo?" Ich:" Wir sind mitten in der Wildnis..."


Ruhe.


Papierrascheln...ganz nah...


Wir mit Taschenlampen alles ausgeleuchtet...H.M. hatte sein großes Geschäft kunstvoll gekringelt auf die Anhängerkupplung des Anhängers gesetzt.

Ich weiß heute noch nicht, wie man das hinbekommt....


Ich hab die Locations alle mal in ein modernes Bild vom Januar 22 eingezeichnet...



Stunden später, nach Mitternacht.

Aufgeregt ruft A.D.(rechts im Bild): "Da ist jemand im Gebüsch!"

Überfall? Auf uns? Mitten im Wald?

Das muss verhindert werden.

Wir bewaffneten uns mit allem, was wir hatten: Zeltstangen, Feuerlöscher, Brotmesser, Axt, Baumstämme...und schwärmten aus...


Da hörten wir ein Auto.

"Gott sei dank, da kommt Hilfe!"

Wir entschlossen uns, das Auto anzuhalten, es war ein alter VW...drinnen saß der Förster mit seiner Frau, waren wohl noch in der Gaststätte hängengeblieben...

Wir stürmten aus allen Richtungen auf das Auto zu...Es machte eine Notbremsung.

Wir umringten es.

Der Förster stieg aber nicht aus.

Wollte er uns nicht helfen?

Naja, wir hatten vergessen unsere "Waffen" abzulegen...




Ich kann mich inzwischen ganz gut in ihn hineinversetzen: Nach Mitternacht mitten im Wald...umringt von etwa 12 Jugendlichen, schreiend, mit Feuerlöscher, Messer, Axt, Zeltstangen und Baumstämmen...


Es hat eine Weile gedauert, bis wir ihn beruhigen konnten...

Dann beruhigte er uns...sprach was von Wildschweinen und Rehen...wir seien ja im Wald...


Ja, so fing die Geschichte des AAK an...in zwei Monaten wird er 50...feiern können wir wegen Corona erst im Sommer....