Verjährt nach 34 Jahren?

Heute war ich mal wieder im Habichtswald unterwegs, vom Hohen Gras über die Teufelsmauer zum Bismarckturm und zurück.

Am Bismarckturm war ich bestimmt Jahrzehnte nicht mehr...

Und als ich hineinging, kamen sie wieder, die Erinnerungen!


Hier haben wir Ende der 80-er Jahre trainiert.

Wir wollten in Höhlen nicht nur klettern, sondern auch in tiefe Schächte absteigen.

Und das übt man am besten da, wo man jederzeit auch irgendwie seitwärts wieder vom Seil loskommt...

Wenn man in einer Höhle in einen Schacht absteigt, dann gibt es eben kein zurück...

Wir haben zwar auch mal geübt, jemanden aus einem Schacht zu retten...aber das ist verdammt anstrengend.

Und einmal mussten wir wirklich jemanden aus einem 60 m Schacht herausziehen. Er hatte seine Klettertechnik umgestellt, Fehler gemacht und kam nicht mehr weiter. Beim Hochziehen schliff das Seil über den Felsen...10 m mehr und es wäre gerissen....


Zurück zum Bismarckturm.

Ideal zum Üben!

Einen freien Innenraum mit einer Treppe, die außen herum an der Wand nach oben geht.

Gut einbetoniert, wenig gerostetes Geländer...

Und nirgendswo ein Hinweisschild, auf dem steht, das Abseilen verboten ist....


(Die Bilder sind heute entstanden, die "Seile" symbolhaft eingezeichnet.)


Wie ich meine ersten Seilversuche gemacht habe, hatte ich ja schon im Post "Vertrauen schenken" geschildert: Mein Kollege lies mich einfach hängen, als ich mich weigerte, das Geländer loszulassen und mich dem Seil anzuvertrauen.

Alle Neulinge in unserer Höhlengruppe wurden hier trainiert. Viele Nachmittage haben wir im Turm am Seil gehangen, sind abgestiegen, hochgeklettert.


Manche Besucher waren sehr erschreckt, wenn sie aus dem hellen Äußeren in den dämmrigen Turm gingen und plötzlich jemand an einem Seil über ihnen hing...


Bilder habe ich keine, aber hier Screenshots aus meinem Höhlenfilm:



Natürlich haben wir auch nachts geübt, um uns wirklich auf die Bedingungen in einer Höhle einzustellen...und natürlich sind wir auch Außen am Turm herabgestiegen...

Bevor wir zum ersten Mal in einen 100 m - Schacht sind, haben wir hier überprüft, ob wir das überhaupt können:

Seilstrecke im Turm etwa 15 m, also mindestens 6 mal runter und wieder 6 mal hoch, aber ohne den Boden zu berühren...d.h. am Seil hängend sich vom Abstieg auf den Aufstieg umrüsten.

Das ist OK, es findet ja kurz über der Bodenbetonplatte statt. Aber das Umrüsten vom Aufstieg auf den Abstieg findet 15 m über der Betonplatte statt...wenn man da einen Fehler macht...


Irgendwann hatten wir genügend Erfahrung und brauchten den Turm nicht mehr.

War es Zufall, dass er wenige Jahre danach gesperrt war und einer Generalsanierung unterzogen wurde?


Wie gesagt, bestimmt verjährt...und es stand ja kein Schild am Eingang:

Abseilen verboten!

Oder:

Beim Hochgehen ausschließlich die Treppe benutzen!


Übrigens...Jahre später habe ich die Studienfahrt mit meinem Physik-LK in Frankreich in einer Karstregion gemacht.

Eine Geschichte dazu habe ich schon erzählt: "Im Backofen schlafen".

Da waren wir auch in einer Schachthöhle. Ein französischer Höhlenforscher hatte uns für den gesamten Kurs Kletterausrüstungen besorgt und half allen Jugendlichen beim Auf- und Abstieg.

Das Bild zeigt mich beim Ausstieg (auch Screenshot aus dem Film).



Zum letzten Mal war ich im Sommer 2018 in einer Großhöhle.

Ich habe ein JuFo-Team trainiert und begleitet.

Mit Booten haben sie Wasserproben für ihre Forschungen genommen. Einer war volljährig und der wollte am Boden eines Schachtes Proben entnehmen.

Auf zum Bismarckturm, zum Üben?


Nein, nicht nötig...im Fallschacht im SFN hatte ich eine eigene Trainingsvorrichtung...da musste er die Seiltechnik lernen, am Seil hängend die Wasserproben zu nehmen und sich dann wieder für den Aufstieg "umzubauen".

Ich war mit im Schacht. Wir waren nur zu zweit. Für mich das letzte Mal nach langen Jahren Pause.

Die Aufregung war wieder wie früher.

Aber ich habe jede Sekunde genossen und erinnere mich gerne daran.