KP, warst Du im Weltall?

Nein, natürlich nicht...aber das werde ich seit November 2016 oft gefragt.

Durch Vermittlung der regionalen Zeitung wurde ich vom Deutschen SOFIA Institut eingeladen, eine Woche auf der NASA Basis in Palmdale, California, zu verbringen. Dabei sollte ich die Wartung der Boeing 747 kennenlernen, an deren Bord ein großes Infrarot-Teleskop ist, aber auch die Techniker und Wissenschaftler, die neue Detektoren und Geräte entwickeln.

Und: Ich durfte zwei Einsätze mitfliegen.

Um die Absorption durch Wasserdampf unter sich zu lassen, fliegt SOFIA in Höhen von 12 bis 14 km, also etwas höher als üblicherweise Passagierjets. In der etwas dünneren Luft ist der Auftrieb natürlich nicht mehr so gewaltig und somit werden alle nicht notwendigen Ballastmaterialen unten gelassen: Wärme- und Schallisolierung und Bordküche. Verpflegen muss man sich bei dem bis zu 12 Stunden langen Einsätzen selbst. Es ist zwar ein Mikrowellenherd an Bord, der darf aber in der Regel wegen der Störstrahlung nicht eingesetzt werden.

Gegen den Lärm erhält man Kopfhörer, die auch gleichzeitig als Kommunikationsmittel arbeiten, denn eine normale Verständigung ist auf Dauer nicht möglich.

Und gegen die Kälte gibt es dicke NASA-Jacken.

In etwa 10 km Höhe beginnt die Stratosphäre und so zählt dieser Flug als Stratosphärenflug.

Das Weltall beginnt definitionsgemäß ab 100 km Höhe, da würde die Boeing gar nicht fliegen können.

Ich war also nur in der Stratosphäre und nicht im Weltall. Auf jedem normalen Mittelstreckenflug gilt das übrigens auch...



Ich habe in meinem Astronomieblog schon oft über SOFIA und den großartigen wissenschaftlichen Output berichtet. Den Dokumentarfilm, den ich gedreht habe, kann man sich jederzeit noch in der Mediathek ansehen:

https://www.mediathek-hessen.de/medienview_15355_Klaus-Peter-Haupt-OK-Kassel-SOFIA--Das-fliegende-IR-Teleskop.html

Hier möchte ich über einige besondere Erinnerungen sprechen, die mich mit diesen Flügen verbindet:

Gleich am ersten Tag sah ich SOFIA im Hangar stehen und ich durfte auch hinein, sogar im Cockpit Platz nehmen. Man hatte schon viel vorher gelesen, sich immer wieder gefragt, wie man es schafft, das Fernrohr so auszurichten, dass man stundenlang ein bestimmtes Objekt im Visier hat...und wieso das Flugzeug nicht abstürzt, wenn die Teleskopöffnung aufgefahren wird...


Das alles kann man im Netz finden oder sich den Film anschauen.

Nun stand ich in der Maschine, sah die vielen Arbeitsplätze mit den Computer-monitoren und vorne die Rückseite des Teleskopdetektors.


Vor dem ersten Flug musste ich ein kleines Sicherheitstraining absolvieren. Im Falle eines Druckabfalls gibt es keine herunterfallenden Sauerstoffmasken...man hat ja keinen festen Platz...das Sauerstoffgerät trägt man immer bei sich und man muss sich notfalls selbst mit Luft versorgen.

Dann kommt die Crew-Besprechung. Die drei Piloten erläutern jede Phase des Fluges, alle Sicherheitsprobleme, die erwartet werden.

Vor dem zweiten Flug gab es eine Bemerkung des Chefpiloten: "Wenn wieder das gesamte Computersystem während des Fluges ausfällt, dann werde ich nicht wie beim ersten Flug einfach weiter geradeaus fliegen, bis alles wieder hochgefahren ist, sondern auf dem nächsten Flughafen eine Notlandung machen." Da das auch in Kanada hätte sein können, wurde sichergestellt, das alle an Bord ihre Pässe dabei haben.

Und dann geht es los.



Ich glaube, die wissenschaftliche Seite ist das eine, die Gespräche mit den Forschenden, die ganze Atmosphäre...aber bei Start und Landung als vierter Mann im Cockpit zu sitzen, das war für mich unvergessen.


Die Piloten gehen alle Instruktionen vor dem Start durch, scherzen zwischendurch und dann sieht der Copilot aus allen Fenstern, um wirklich kein herannahendes Hindernis zu übersehen...und dann klopft er dreimal auf Holz.

Dazu ist extra eine Holzplatte im Cockpit angebracht.

Ähnlich spannend ist die Landung, wenn die Computerstimme des Höhenmessers den Countdown zu 0 m Höhe herunterspricht.



Diese Szenen, Start und Landung, haben sich tief in meine Erinnerung eingebrannt.


Nach dem Schreiben des Posts erfahre ich, dass das Forschungsprogramm mit SOFIA eingestellt wird:

Im September wird der Betrieb des einzigen fliegenden IR-Teleskops SOFIA endgültig eingestellt. Die NASA hat sich an die Vorgabe der Academy of Sciences, Engineering and Medicine gehalten, die den wissenschaftlichen Output bei jährlichen Betriebskosten von 86 Millionen Dollar für nicht ausreichend hält.