Höhlentouren in Frankreich, Teil 1: Verrückt und fast abgesoffen

Im März 2022 habe ich 8 Tage in einem Chalet am Rande des Vercors in Frankreich, südlich von Grenoble gelebt: Homeoffice mit Wandern...

An einem Tag bin ich hoch auf das Hochplateau gefahren, durch die engen Straßen der Bournillion-Schlucht runter zu einigen Höhlen, in denen wir zwischen 1988 und 2003 immer wieder waren.

Und da kommen Erinnerungen auf...


Physik unter der Höhlendecke


Auf Umwegen gelange ich im März 2022 zu dem kleinen Parkplatz neben einem Kraftwerk, von dem aus alle unsere Aufstiege zur Grotte de Bournillon losgingen. Ein kleiner, immer unwegsamerer Pfad, über Geröllfelder hinweg, führt zum 500 m höheren Höhleneingang.

Es ist der größte Höhleneingang Europas, zwischen 105 m hoch und 60 m breit, eingerahmt von kleinen Wasserfällen.

Imposant!



Beim Aufstieg erinnere ich mich an unsere letzte Tour hier: Wir wollten bei der ersten Jugend forscht - Arbeit, die ich betreut habe, die Absorption von Myonen aus der Hochatmosphäre durch Gestein messen.

Dazu mussten wir unsere Kamiokanne (den Detektor), Laptop (ja, gab es damals schon, groß und schwer...), Oszilloskop (zum Einstellen) und ein Hochspannungsgerät mit Zubehör in die Höhle schleppen.

Dummerweise gibt es in Nicht-Schauhöhlen keine Steckdosen, also schleppten wir zwei schwere riesige Blei-Autobatterien mit nach oben.

Hier an dieser Wand machten wir immer Pause. Auf einer kleinen Kante konnte man den Rucksack abstützen und sich ausruhen.

Um auch unsere Höhlenausrüstung mit zu bekommen, mussten wir mit insgesamt 8 Personen zweimal hochlaufen (und nach 24 Stunden wieder zweimal runter...), um die ganze Ausrüstung in die Höhle zu bekommen.

Die Messeinrichtung versteckten wir im Seiteneingang der Höhle hinter einer Felsspalte, die wir nur kriechend erreichen konnten.

Im Bild ist dieser Seiteneingang mit E bezeichnet, der von uns gewählte Ausgang ist bei A.

Auf dem nächsten Bild (März 22) habe ich die Felsspalte markiert, hinter der wir das Experiment aufgebaut haben:


Nachdem die Messung gestartet war, gingen wir in die Höhle hinein.

Das Video (25 Jahre alt!)zeigt den Beginn der Befahrung.



Etwa 8 Stunden kriecht man durch ein Labyrinth von Gängen. Wir orientierten uns an einer Karte und an Markierungen bei Abzweigungen.

Dann kamen wir in den riesigen Hauptgang, durch den ein Fluss fließt und der mit vielen schönen riesigen Tropfsteinen versehen ist.

Dann sieht man die Eingangsöffnung und klettert an der Steilwand des Flusses nach draußen.

Ein Anblick den man nie vergisst.


Diese letzten Momente sehen wir im zweiten Video.



Auch im März 22 konnte ich immerhin ein kleines Stück in den Ausgang hineingehen und dieses Bild mit dem Handy machen:


Zu den Myonenmessungen habe ich eine eigene Erinnerung geschrieben:

Forschen mit der Thermoskanne

https://www.natur-science-schule.info/post/forschen-mit-der-thermoskanne


Hochwasser


Bei einer Tour, Jahre vor dieser Myonenmessung, wären wir fast nicht mehr aus der Höhle gekommen.

Am Anfang, beim Hineingehen, war der Fluss ein kleines Rinnsal, so wie oft im Hochsommer.

Nach 8 Stunden, als wir den inneren Gang folgend aus der Höhle wollten, war wohl durch ein starkes Gewitter der Fluss so angestiegen, dass uns die Wassermassen den Ausweg versperrten.


Da steht man nun, kaputt und abgekämpft, und kommt nicht raus. Einer war so verzweifelt, dass er sich eine Plastiktonne um den Bauch binden wollte und ins Wasser springen wollte.

Wir konnten ihn davon abhalten, er hätte es nicht überlebt.

Im März 22 waren etwa ähnliche Wasserverhältnisse. An den Bildern und dem aktuellen Handy-Video kann man wohl erahnen, wie es damals war...




Wir hatten nur eine Chance, da Warten auf das Sinken des Wasserspiegels keine Option war.

Wir mussten den ganzen Weg zurück: zurück durch das enge Labyrinth, das in dieser Richtung wohl noch keiner durchkrochen hatte.

Wir brauchten weitere 10 Stunden bis wir endlich wieder aus der Höhle draußen waren.


Fortsetzung in wenigen Tagen...