Ersoffen bei der Abschlussfahrt

Nicht besoffen, sondern ersoffen...jedenfalls fast ersoffen

Einer meiner Tutorkurse, ich glaube es war Anfang der 90-er, wollte nach dem Abitur noch eine besondere Abschlussfahrt machen.

Das war zu der Zeit meiner höchsten Aktivität im Höhlenklettern...da schleppte ich alles und jeden mit in Höhlen...es ist und war eine faszinierende Welt, die man sonst so kaum wahrnimmt.

Also schlug ich vor: Wir befahren drei Tage lang Deutschlands größte Höhle, die Salzgrabenhöhle über dem Königssee.

Jung, unbekümmert, sagten sie alle ja.

Zuerst gab es ein Trainingsprogramm: Mit 20 kg beladenen Rucksäcken kletterten wir nachts in Felswänden herum...dann die Fahrt zum Königssee, die Überfahrt nach St Bartholomä...da standen wir nun mit etwa 25 kg Gepäck in 700 m Höhe. Wir mussten auf immer engeren Pfaden auf etwa 1700 m Höhe zum Höhleneingang.

Etwa 500 m im Inneren der Höhle schlugen wir unser Camp auf. Von hier aus wollten wir verschiedene Exkursionen machen.

Ich kann mich an drei Sachen erinnern:

- Am nächsten Morgen mussten wir zwei durchtrainierte Leistungssportler wegen Schwächezuständen rausbringen....

- Ich hatte aus meiner Höhlenklettergruppe etwa 5 Begleiter mitgenommen, einer von ihnen übersah weit weit Innen in der Höhle einen See...rutschte hinein und zum Schluss sah man nur noch einen Arm mit seiner Kamera in der Hand...die war gerettet, den Rest holten wir dann auch raus...

Man hat zwar Ersatzkleidung mit, aber jeder kleinste Unfall, teilweise mehrere Tage vom Eingang entfernt, kann zur Katastrophe werden.

Um an das nächste Telefon zu kommen (Handy gabs noch nicht...), hätte man einen Tag aus der Höhle herausklettern müssen und dann einen weiteren Tag aus dem Gebirge absteigen müssen...

Aber das war ein erfahrener Höhlenmensch, das hat er weggesteckt.

- Nächster Tag...noch weiter drinnen, im oberen Teil...wir mussten durch einen langen und engen Gang gehen...der stand aber kniehoch voller Wasser, Kneippgang hieß er...gut, wir gingen...nur einer meiner Abiturienten fand nasse Füße blöd...also versuchte er seine Füße an linke und recht Wand zu klemmen und dann wie Spiderman über dem Wasser zu laufen...

Das ging ein paar Meter gut...dann rutschte er ab, fiel mit dem Kopf voran in voller Länge in den Wasserkanal. Wir hatten nur nasse Füße, er war vollkommen durchfeuchtet...und musste noch eine ganze Weile weiter waten, bevor er sich umziehen konnte.

Übrigens, das Wasser in der Höhle hat etwa 8°C....


Ich habe damals alles mit Video dokumentiert. Ich vergesse nie den Dialog beim Reinfallen:

S.P.: KP, haste das drauf!

Ich: Ja geil

Schüler Sch....


Der VHS Film ist auf einer 30 Jahre alten DVD...die habe ich nicht mehr in ein Format konvertieren können, um Ausschnitte hier hochzuladen. Aber mit meinem Handy habe ich einfach die Szene vom Monitor abgefilmt...ist eben eine historische Aufnahme!



Noch zwei Nächte haben wir in der Höhle verbracht, dann gingen wir raus.

Unvergesslich nach drei Tagen Dunkelheit ist der Moment, an dem man erstmals wieder das Tageslicht sieht:

Über uns tiefblauer Himmel und tief unter uns der Königssee...unvergesslich.

Nach drei Tagen in Sand, Wasser, Schlamm sieht man nicht gerade fein aus...man duftet auch...die Königssee Schifffahrt wollte uns nicht aufs Boot lassen...

Diese Abschlussfahrt werden sie nie vergessen! Stimmts?