Erinnerungen an die Gegenwart

Vor einigen Jahren besuchte mich ein ehemaliger Schüler, nennen wir ihn Lukasz, im SFN, lies sich alles erklären und zeigen und kurze Zeit später teilte er mir bei einem spontanen Frühstück in seinem Hotel mit, dass er meine Arbeit im SFN unterstützen möchte.

Vieles, was ich in den letzten Jahren initiieren konnte (MINTVan, Lagerräume, Bio-Chemie-Abteilung, Dunkelraum...) war nur so möglich.

Im April 2021 gab es ein erneutes Treffen...coronabedingt online...Jeden Sonntag diskutierten wir online mit einigen seiner Mitarbeiter und Aaron, einem Studenten, der seine Jugend im SFN verbracht hat, wie man meine Art zu unterrichten und junge Menschen zu fördern, weitergeben kann.

Schnell wurde klar, dass das nicht "von oben" , also über Kultusbehörden und Schulämter geht. Wir müssen "von unten", also bei den Betroffenen, den Jugendlichen anfangen und denen Hilfen und Chancen vermitteln.


Diese Idee deckt sich auch mit einer Einstellung, die ich sog. Dachorganisationen gegenüber habe:

Wie oft habe ich schon groß angelegten Gründungssitzungen von Dachverbänden beigewohnt. Viel Geld wird da investiert...aber mehr als alle paar Monate eine Sitzung mit immer ähnlicher werdenden Tagesordnungen (Tendenz: inhaltsfrei) und immer weniger Teilnehmer/innen...


Ich habe das immer anders angepackt: Etwas organisieren, das direkt den Betroffenen etwas anbietet. Dabei lernen sich die Organisatoren kennen und vernetzen sich.


So haben wir beim 1. MINT-Schülerkongress 2010 im Hauptbahnhof Kontakte geknüpft, die heute noch wirken, aber eigentlich tausenden von Jugendlichen einen Einblick in die MINT-Welt gegeben.


Die neue gGmbH FutureSpace hat deshalb in 6 Städten Hessens Sommercamps für Jugendliche angeregt. Die werden stattfinden...und die Organisatoren arbeiten bestens zusammen und werden ein wachsendes Netzwerk bilden. Und profitieren werden vom ersten Moment an die Kids.

Und genau das ist auch einer unserer Ansätze, die wir bei den wöchentlichen Sitzungen ausgedacht haben: Sommercamps in Hessen.

Der zweite Ansatz sollte sich unmittelbar auf das Lernen auswirken und dazu wollten wir eine Art Bildungszentrum gründen. Nur so nennen durften wir es nicht...lange Diskussionen und irgendwann war der Name FutureSpace geboren.

Ins FutureSpace zu gehen, ist bestimmt cooler, als sich in einem Bildungszentrum zu treffen...


Aber zurück zum Sommer 21: Jeden Sonntag gab es ein Online-Meeting, egal wo ich war, wo Lukasz und seine Mitarbeiter waren....inzwischen seit 11 Monaten.

Schritt für Schritt entwickelten sich die Ideen weiter...

Ich fand das alles toll und hatte Spaß daran, hier mit zu diskutieren und zu beraten...


Nun muss ich sagen, meine Eltern haben mich vorausschauend KP genannt: für "schwer von Kapee", übersetzt: begriffsstutzig...

Und so dauerte es bis in den Sommer hinein, bis ich begriff, dass ich das leiten sollte/durfte/konnte, dass ich nach meiner Pension hier der Chef werden sollte...neudeutsch: der CEO.

Nachdem auch die letzte Gehirnzelle bei mir das begriffen hatte, konnte es dann im Herbst losgehen...die gGmbH wurde gegründet und ich war CEO.


Ein Schritt, den ich nie bereut habe. Aus eigenem Wunsch heraus verdiene ich nichts, aber ich gewinne: Spaß, Freude, Lebensmut, eine Aufgabe mit offenem Ende...ein Start-Up im Bildungsbereich entwickeln können ...tolle Mitarbeiter/innen, die vor Ideen nur so sprudeln und mit M. und H. sind zwei ehemalige Kollegen dabei...


Im September habe ich mein OK gegeben...ich war in 2500 m Höhe in einem Berghotel am Gornergrat. Meinen ersten Wunsch-Mitarbeiter habe ich mitten auf seiner Hochzeitsreise gefragt...als er wieder kam, hatte er seinen ersten festen Job.


Zuerst mussten wir Räumlichkeiten suchen. Ein leerstehendes Haus in der Hafenstraße bot sich an. Aber es war Innen noch nicht vollständig ausgebaut, schlecht erreichbar...passte nicht.

Dann hat man uns das Ladenlokal in der Wilhelmsstraße angeboten...ich ging rein und war voll verliebt...

Vor meinem Auge sah ich vorne den Begrüßungsraum, hinten die Lerninseln...ich zitterte...bekommen wir den Mietvertrag?

Es dauerte fast eine Woche, der Besitzer hatte noch andere Interessenten, denen er absagen wollte.

Und dann kam der erlösende Tag: Ich habe, inzwischen offiziell als CEO eingetragen, den Mietvertrag unterschrieben.


Ich wusste auch, wer die Ideen in meinem Kopf in eine tolle Räumlichkeit umsetzen wird...unser Architektenteam hat ebenfalls schnell zugesagt...

Während ich diese Zeilen schreibe, sind wir im Umbau, kennen schon den Eröffnungstermin (3.6.22) und planen mit einem 14-köpfigen Team konkrete Angebote.


Das sind jetzt keine Erinnerungen mehr, das ist die Gegenwart.

Und die Zukunft beginnt am 3.6....





Ich muss aber auch sagen, dass die Gegenwart, in der ich dies schreibe, ansonsten alles andere als zukunftsweisend ist...Putin hat den Verstand verloren, treibt Krieg gegen die Ukraine, droht mit Atomwaffen ...unsere Zukunft hat sich verändert...umso mehr müssen wir uns um Jugendliche kümmern, ihnen einen besseren Weg aufzeigen und sie unterstützen...


Unser FutureSpace ist wichtiger als je zuvor.