Ein Wechselbad der Gefühle, Teil 1

Im Januar 2019 haben wir einen Kooperationsvertrag mit einem Institut abgeschlossen, das deutsch-chinesische Partnerschaften ermöglicht und fördert.

Ziel war es für den Sommer 2019 ein internationales Sommercamp mit chinesischen und deutschen Jugendlichen zu organisieren.

Im April 2019 flog ich auf eigene Rechnung für 10 Tage nach Peking, um dort für das Projekt zu werben und Kontakte zu knüpfen.


Nun aber zu den Aufs- und Abs dieser Reise:


Angekommen am Flughafen in Frankfurt wollte ich gleich einchecken. Am Schalter von Air China wurde mir mitgeteilt, dass mein Visum ungültig sein und ich nicht in die Maschine durfte. Ein langer Spaziergang durch den Flughafen, viele Telefonate mit dem Besitzer des Reisebüros (es war Sonntag) brachten keine Hilfe.

Zurück zum Schalter. Ich konnte mit der Leiterin der Abteilung sprechen. Sie hatte eine Idee: Man darf für eine Woche in Peking ohne Visum einreisen, wenn man bei der Landung ein Flugticket hat, das den Weiterflug in ein anderes Land ermöglicht.

Auf zum Flughafenreisebüro....Ticket buchen (erst nach Hongkong, da war ich aber schon, und es waren sehr ungünstige Flugzeiten, dann erneut umgebucht nach Seoul (Südkorea), da wollte ich immer schon mal hin....).

Zurück zum Schalter...einchecken war möglich...zwei Stunden später saß ich in der Maschine und konnte wirklich nach Peking einreisen.


Ich hatte ein gutes internationales Hotel am Rand der Innenstadt und erwartete Menschen, die sich sehr ängstlich zurückhaltend bewegen, eine Überwachungsperson immer hinter mir...

Nichts dergleichen...

Ich habe noch nie so viele Regelverstöße gleichzeitig erlebt: Autos ohne Licht, auf Bürgersteigen fahrende Mopeds, Menschen, die bei Rot quer über die Kreuzungen laufen...

Auf der anderen Seite, ein Umgang miteinander, wie ich es nicht erwartet hatte:

In den Parks feiernde und tanzende chinesische Familien und Gruppen. Freizeitangebote für Senioren in der Öffentlichkeit, ein freundlicher und offener Umgang miteinander.


Gleich am ersten Tag wollte ich auf eigene Faust in den Sommerpalast fahren. Ich bestellte mir ein Taxi. Irgendwie schaffte ich es dem Fahrer mein Ziel klar zu machen (englisch spricht man nur am Hotelempfang).

Der Hinweg dauerte ca. 40 Minuten, 7.-€, zurück halb so lang, doppelt so teuer und mit Talentvorführung:

Der Fahrer hatte das Handy in der linken Hand, telefonierte und schaute Videos, mit der rechten Hand tippte er neue Telefonnummern ein oder spulte das Video vor...gleichzeitig fuhr er auf einer vierspurigen Straße und wechselte gefühlt alle 10 Sekunden die Fahrspur um über Lücken schneller voranzukommen..

Es ist nichts passiert und es kam dank Hupe zu keiner kritischen Situation!

DAS nenne ich Multitasking!


Der Sommerpalast: einfach nur zauberhaft...



In den nächsten Tagen verbrachte ich einige Stunden auf Polizeistationen, um doch noch ein Visum zu bekommen. Die Polizisten waren sehr freundlich und hilfreich, aber in der kurzen Zeit war nichts zu machen...

Ich merkte dann, dass die deutsch-chinesische Institution nicht sehr gut gearbeitet hatte. Es gab keine Anwerbung von am Sommercamp interessierten Jugendlichen, aber immerhin hatten sie Kontakte zu mehreren Schulen und einer großen MINT Organisation hergestellt.

Das half mir zwar nicht das Sommercamp zu füllen, aber brachte mir unglaublich wertvolle Eindrücke und Erfahrungen.

Nebenbei bemerkte ich, dass die Institution auf die Camp- und Reisekosten von etwa 2000.-€ noch 4000.-€ Provision für sich aufgeschlagen hatte. Nur nur sehr gut situierte chinesische Familien konnten es sich dadurch überhaupt leisten ihr Kind nach Deutschland zu schicken.

Wir wollten das ein Jahr später auf eigene Faust billiger machen, ohne eigenen Gewinn, aber das hat Corona im Keim erstickt...


Der erste Kontakt

Eine Deutschlehrerin einer Privatschule war meine Begleiterin in Peking, sie führte mich zur Leitung der Beijing Association for Science and Technology BAST, einer großen Behörde, die die MINT-Bildung für 1,4 Mill. Schüler/innen in Peking strukturiert.



Ich stellte das SFN vor (zum Glück sprach die gesamte Leitungsgruppe vom BAST hervorragend englisch) und wir diskutierten, wie man eine enge Kooperation zwischen BAST und SFN aufbauen konnte.

Als ersten Schritt vereinbarten wir einen Besuch von etwa 10 deutschen Jugendlichen, die am chinesischen Jugend forscht teilnehmen und ihr Projekt auch im BAST vorstellen. Ich sollte eine Lehrerfortbildung durchführen und dem BAST beim Aufbau eines Schülerforschungszentrums helfen.

Starten sollte das im April 2020...., wir hatten Schon die Flugtickets und mussten aber wegen Corona alles absagen...es blieb bei vielen Online-Wettbewerben und Vorträgen, leider...



Das BAST besteht aus Unterrichts- und Seminarräumen, Werkstätten und einem großen MINT-Museum, das mich tief beeindruckt hat.

Thema des Museums: Nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen der Erde, Klima und Umweltverschmutzung.

Schulklassen, von der Grundschule an, besuchen das Museum, am Wochenende kommen Eltern und Großeltern mit den Kindern.

Im riesigen Museum wimmelt es nur so von kindgerechten und spannend aufbereiteten Mitmachexperimenten und Anregungen.

Was mich am meisten verblüfft hat, und ich ehrlich gesagt in Peking nicht erwartet hätte: Es gab keine geschlossenen Klassenführungen, sondern die Kids erkundeten in kleinen Gruppen eigenständig und selbst bestimmt das Angebot. Jugendliche Coaches standen bereit, halfen, erklärten auch mal und tanzten und sangen auch mit den Kids.





Dieses BAST-Museum ist für mich zwei Jahre später die Grundlage der Ideenentwicklung für unseren FutureSpace geworden.


In den Tagen danach erkundete ich nicht nur auf eigene Faust Peking, sondern hatte auch Gelegenheit am Unterricht an drei verschiedenen Schulen teilzunehmen und mit den Jugendlichen selbst zu arbeiten.


Darüber berichte ich in wenigen Tagen im nächsten Post.


Ganz ausführlich, mit vielen Bildern, kann man alles in meinem China-Blog nachlesen:

https://sfnchina19.auslandsblog.de/