Casting

Gecastet wird beim Film...


und da habe ich auch das erste Casting durchgeführt.


Der allererste Spielfilm (über den Klimakrieg) war ein Klassenprojekt. Der zweite Film war die "Welle", da haben wir ein großes Casting im Veranstaltungsaal des Hermann-Schafft-Hauses durchgeführt.

Hunderte von Kids aus allen Klassen kamen. Wir hatten Casting-Stände eingerichtet, unser Filmteam registrierte die Bewerber/innen, machte Bilder und schrieb bestimmte Eigenschaften auf.

Danach besetzten wir die Rollen, stellten die Filmklasse zusammen, vergaben Sprachrollen und die Hauptrollen.


Besondere Erinnerung habe ich an das Casting unseres dritten Spielfilms: "Julian" (1993/94).

Monate lang hatten wir in sozialen Einrichtungen der Stadt recherchiert, mit Jugendlichen und Sozialarbeitern gesprochen. Dann schrieben wir unser eigenes Drehbuch: Ein von der Mutter vernachlässigter Junge wird straffällig und droht wie sein älterer Bruder abzudriften.

Die Schlussszene stand schon früh fest:

Julian wurde nach einem Ladendiebstahl von der Polizei nach Hause gebracht. Niemand war da. Er schloss die Tür auf und die Polizisten haben ihn zurückgelassen.

Schnitt.

Julian liegt im Bett und liest. Er wartet auf seine Mutter, möchte mit ihr reden. Dazu hat er extra die Zimmertür offen gelassen.

Die Mutter kommt spät abends von einem Treffen mit ihrem neuen Freund zurück. Sie geht einfach an der Zimmertür vorbei, schaltet das Fernsehgerät an und sieht fern.

Enttäuscht mach Julian das Licht aus, dreht sich herum und versucht zu schlafen.


Wir hatten einige Bewerber für die Rolle des Julians.

Dann kam Juri. Wir erklärten ihm die Situation und er musste die Szene vor der Kamera improvisieren.

Tiefes Schweigen.

Danach liefen bei vielen aus dem Team die Tränen.

Juri hatte die Rolle.

Filmszene: Screenshot

Übrigens: Beim Drehen gab es auch einen echten Autocrash. Jugendliche waren die Fahrer und die Kasseler Polizei sicherte die Straßen ab. Aber das ist eine andere Erinnerung...


Worauf muss man beim Casting achten: die gecastete Person/Gruppe muss zur Aufgabe und zum Team passen. Sie muss die anderen ergänzen und bereichern. Und es muss über den "Gag" des Castens hinaus, eine Bereitschaft für intensives und zuverlässiges Mitarbeiten vorhanden sein.


Casting war auch eine wichtige Tätigkeit für mich im SFN.

Oft versuchte ich Jugendliche zu einem Team zusammen zu bringen.

Manchmal wurden aus Einzelgängern echte Freunde, oft auch sehr erfolgreiche Teams.

Robin schrieb Programm, mit denen man die Bewegung von Himmelskörpern simulieren konnte. Patsi untersuchte Exoplanetensysteme. Beide Zusammen entwickelten Modelle zur Planetenentstehung und wurden 2015 Bundessieger.

(siehe auch:https://www.natur-science-schule.info/post/mehr-geht-nicht-im-rollstuhl-und-auf-einem-bein-zu-bundessiegen )


Auch unser Höhlenteam war gecastet. Leon I baute ein Forschungsboot für eine Höhle. Er brauchte einen Informatiker, das war Leon II. Beide hatten aber keine Ahnung von Biologie. Das dritte Teammitglied fand ich bei einer Präsentation in Witzenhausen: Moritz.

Und zusammen waren wir 2018 zu einem Forschungsprojekt in einer slowenischen Höhle.

Auch das Team war extrem erfolgreich; Platz 2 auf Bundesebene 2019.

(siehe auch: https://www.natur-science-schule.info/post/verj%C3%A4hrt-nach-34-jahren )


Weitere Erinnerungen zu diesen Themen:

Spielfilm Nummer 2: Die Welle

https://www.natur-science-schule.info/post/die-welle